Barri Gòtic: kostenloser Audioguide
Barri Gòtic in Barcelona: die Geschichte, so wie die Votura-App sie vor Ort erzählt. Hier lesen oder vor Ort hören, mit Wegbeschreibung zum nächsten Halt.
Vor dem Besuch
- Adresse
- 08002 Barcelona Catalunya
Die Geschichte
Das Gotische Viertel (Barri Gòtic) ist das historische Herz von Barcelona und der Kern der alten römischen Stadt Barcino, die Kaiser Augustus um 15 v. Chr. als Colonia Iulia Augusta Faventia Paterna Barcino gründen lässt. Hier verlaufen noch heute Straßenzüge, die dem römischen Grundriss folgen, und an mehreren Stellen sind Abschnitte der Stadtmauer mit ihren Türmen sichtbar, darunter am Plaça Nova, wo die beiden wuchtigen Rundtürme aus der römischen Befestigung eindrucksvoll in den Stadtraum ragen. Im Boden und in Häusern des Viertels liegen außerdem Reste von Aquädukten, Gräbern und Werkstätten, die zeigen, wie dicht dieses Areal schon in der Antike genutzt wird. Wer durch die engen Gassen geht, bewegt sich also nicht durch eine Kulisse, sondern durch ein über 2.000 Jahre altes Stadtfragment, das in Barcelona einzigartig erhalten ist.
Der Name „Gotisches Viertel“ täuscht ein wenig, denn das heutige Erscheinungsbild entsteht vor allem in der Zeit, als Barcelona seine mittelalterliche Altstadt nach und nach über den römischen Kern legt. Der meistbesuchte Anziehungspunkt ist die Kathedrale von Barcelona, deren gotischer Bau ab 1298 beginnt und deren Hauptphase im 14. und 15. Jahrhundert liegt; ihre Fassade wird jedoch erst zwischen 1887 und 1913 nach Plänen von Josep Oriol Mestres vollendet. Im Inneren ruht die berühmte Kreuzganghöhle mit den 13 weißen Gänsen, die an die junge Märtyrerin Santa Eulàlia erinnern, die als Schutzpatronin der Stadt gilt. Gleich daneben verbindet der Pla de la Seu die Kathedrale mit den Resten der römischen Mauern und macht sichtbar, wie eng antikes und mittelalterliches Barcelona hier ineinandergreifen.
Einer der bedeutendsten mittelalterlichen Paläste des Viertels ist der Palau Reial Major am Plaça del Rei, der als Residenz der Grafen von Barcelona und später der Könige der Krone von Aragón dient. In diesem Komplex befindet sich die prächtige Sala del Tinell, die König Peter IV. der Zeremoniöse zwischen 1359 und 1370 errichten lässt; ihre sieben mächtigen Tonnengewölbe machen sie bis heute zu einem der eindrucksvollsten Säle der katalanischen Gotik. Im selben Ensemble liegt die Kapelle Santa Àgata, die 1302 geweiht wird, sowie das Museu d’Història de Barcelona, in dem Besucher die unterirdischen Ausgrabungen der römischen Stadt Barcino direkt unter ihren Füßen sehen. Hier wird besonders klar, dass das Viertel nicht nur schön ist, sondern ein handfestes Archiv aus Stein, Ziegel und Gewölben.
Auch die kleineren Plätze tragen schwere Geschichte in sich. Der Plaça Sant Jaume markiert seit dem Mittelalter den politischen Mittelpunkt Barcelonas, und heute stehen sich hier das Rathaus und der Palau de la Generalitat de Catalunya gegenüber. Der Palau de la Generalitat geht auf ein Gebäude zurück, das 1400 als Sitz der katalanischen Stände entsteht, während das Rathaus in seiner heutigen Form vor allem aus späteren Umbauten hervorgeht. Ein paar Schritte entfernt liegt der Plaça del Pi mit der Kirche Santa Maria del Pi, deren gotisches Kirchenschiff im 14. Jahrhundert entsteht und deren Rosettenfenster zu den größten katalanischen gotischen Fenstern zählt. Nicht weit davon verbindet die Basilica de Santa Maria del Mar im benachbarten Viertel La Ribera das barock wirkende Stadtbild mit einer anderen großen Barcelona-Geschichte, denn ihre schnelle Errichtung zwischen 1329 und 1383 macht sie zu einem Meisterwerk der Bürgergotik, das auch für das Verständnis des Barri Gòtic wichtig bleibt.
Der Stadtteil lebt heute nicht nur von Monumenten, sondern auch von seiner außergewöhnlichen Schichtung aus Straßen, Höfen und Höfen hinter Höfen, in denen Epochen nebeneinander stehen. Im Mittelalter war dieses Gebiet dicht von Handwerk, Handel und kirchlichen Institutionen geprägt, und später verändert der Ausbau Barcelonas nach dem Abriss der Festung Ciutadella und besonders nach der Öffnung der Stadt im 19. Jahrhundert die Wahrnehmung des alten Zentrums grundlegend. Viele Fassaden, Brücken und Innenhöfe, die Besucher für mittelalterlich halten, werden in dieser späteren Restaurierungswelle bewusst ergänzt oder neu gestaltet, damit das Viertel als historisches Gesamtbild lesbar bleibt. Genau diese Mischung aus römischem Ursprung, gotischer Architektur und sorgfältiger Rekonstruktion macht das Barri Gòtic zu einem der dichtesten Geschichtsräume Europas und zu einem Ort, an dem Barcelona seine ganze lange Chronik auf wenigen Straßenkilometern erzählt.
Geschrieben für die Votura-Audiotour und in der App vorgelesen. Öffnungszeiten ändern sich; bitte vor dem Besuch prüfen.
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